Von den Schülern aller Ausbildungsrichtungen kann in der 11. Jahrgangsstufe Italienisch gewählt werden, die erste oder zweite Fremdsprache (Latein bzw. Französisch) wird dafür abgelegt. In der 11. Jahrgangsstufe ist es somit sowohl Schulaufgabenfach (vier Schulaufgaben, drei davon schriftlich sowie eine mündliche Partnerprüfung) als auch Vorrückungsfach. In der Qualifikationsphase muss das Fach dann bis zum Abitur dreistündig belegt werden und kann (wenn gewünscht) mit der mündlichen Abiturprüfung als viertes oder fünftes Prüfungsfach abgeschlossen werden. Dieses Colloquium ersetzt nicht die Abiturprüfung in der fortgeführten Fremdsprache, sondern kann nur zusätzlich zu dieser absolviert werden!
Speziell für die Bedürfnisse des spät beginnenden Fremdsprachunterrichts wurde vom C.C. Buchner-Verlag das zweibändige Lehrwerk „Ci siamo 1 und 2 Ausgabe B“ entwickelt, das durch ein grammatisches Beiheft, ein Arbeitsheft mit weiteren Übungsmöglichkeiten und Audiodateien zur Einübung des Hörverständnisses ergänzt wird. Besonders in der Profil- und Leistungsstufe werden auch Filme und Lektüren eingesetzt, um die Schülerinnen und Schüler möglichst abwechslungsreich mit der italienischen Sprache vertraut zu machen.
Italienisch
ist eine der wichtigsten modernen europäischen Kultursprachen. Italien
ist nah und ein wunderbares Urlaubsland, nicht nur wegen Sonne und Meer,
sondern ganz besonders wegen der Fülle und Qualität seiner Kunst- und
Kulturdenkmäler. Aber auch der Einfluss Italiens auf die gesamte
abendländische bildende Kunst, Literatur und Musik ist nicht zu
unterschätzen, was im Sprachunterricht auch an Beispielen vermittelt
werden soll.
Italien
ist zudem ein überaus wichtiger Wirtschaftspartner der Bundesrepublik
Deutschland und ganz besonders Bayerns, so dass der Nutzen dieser
Sprache auch im modernen Alltag nicht zu unterschätzen ist. Deshalb
sollen im Unterricht auch praktische Situationen aus diesem Bereich
behandelt werden.
Das so genannte spät beginnende Italienisch (ab der 11.
Jahrgangsstufe), das am Chiemgau-Gymnasium angeboten wird, soll nach
möglichst zügiger Vermittlung der Grundgrammatik mit authentischer
Sprache vor allem die mündliche Ausdrucksfähigkeit schulen.
Für interessierte Schülerinnen und Schüler des ChG bietet dieses Sprachenangebot in jedem Fall eine einmalige Chance, ihren fremdsprachlichen Horizont in der Oberstufe noch einmal zu erweitern. Für die Schüler der Übertrittsklassen entsteht durch dieses Angebot weiterhin die Möglichkeit, die für ein bayerisches Abitur erforderlichen Fremdsprachenfähigkeiten zu erwerben, selbst wenn sie an der Mittel- oder Realschule neben dem Englischen keine weiteren Fremdsprachen erlernt haben sollten.
Aktuell bestehen zwei Austauschmaßnahmen, die jeweils in der zwölften Jahrgangsstufe durchgeführt werden: Im zweijährigen Wechsel haben die Schüler die Möglichkeit, entweder an einem Austausch mit dem “Istituto d’Istruzione Superiore Eugenio Montale” in Genua / Ligurien oder mit dem „Liceo Linguistico G. Falcone“ in Bergamo / Lombardei teilzunehmen. So erhalten also alle Italienisch Lernenden im Laufe ihrer Schullaufbahn die Chance zu einem Aufenthalt in Italien. Der Schüleraustausch stellt einen wichtigen Baustein für die Ausbildung der Sprechfertigkeit in der Fremdsprache und der interkulturellen Kompetenz dar.
Für diejenigen, die an einem längeren Auslandsaufenthalt interessiert sind, besteht gemeinsam mit der bergamaskischen Partnerschule seit dem Schuljahr 2013/14 das Projekt „Due mesi all'estero“. Hierbei handelt es sich um eine individuelle Austauschmaßnahme, bei der die Schülerinnen und Schüler bereits in der elften Jahrgangsstufe die Möglichkeit haben, vier Wochen in der Gastfamilie zu leben und gemeinsam mit dem Austauschpartner den regulären Schulunterricht zu besuchen. Im Gegenzug kommen die italienischen Austauschpartner dann auch nach Deutschland, leben in der Familie ihrer Partner und besuchen den Unterricht der elften Jahrgangsstufe des ChG.
Wie schon etliche Jahrgänge vor uns, starteten wir im September in eine Woche angefüllt mit italienischer Kultur, Trips nach Brescia sowie Mailand und einigen wunderbaren Momenten in Bergamo selbst.
Nachdem wir das Wochenende mit unseren Gastfamilien verbracht hatten, schon den ein oder anderen köstlichen italienischen Snack probiert und einige sogar den Iseosee besichtigt hatten, trafen wir uns Montag morgen am Gymnasium, dem „Liceo“. Die italienische Schule sah zunächst wie eine durchschnittliche deutsche Schule aus (mittelmäßig hübsches Gebäude mit Aula und vielen kleinen Klassenzimmern plus eine betonierte Fläche vor dem Schulhaus namens Pausenhof). Tatsächlich ist das Liceo Linguistico Giovanni Falcone jedoch eine Schule mit mehreren Gebäuden an unter-schiedlichen Standorten, weshalb wir am folgenden Tag ein anderes besichtigen und so auf dem Schulweg verschiedenste Stadtviertel besichtigen konnten. Ein wahres Wunder erlebten wir, als wir zum ersten Mal die Snackautomaten austesteten. Wann zahlt man schon mal 80 Cent für eine Flasche Eistee? Dass die Dauer der einzelnen Unterrichts-stunden 60 Minuten betrug, fanden wir jedoch eher ermüdend.
Bei bestem Sommer-in-Italien-Wetter besichtigten wir im Laufe der Woche mehrere Kirchen, wie zum Beispiel die Basilica di Santa Maria Maggiore in Bergamo selbst oder auch den ein oder anderen Dom in Brescia und Mailand und schlenderten durch viele, viele Gassen, eingenommen vom italienischen Flair.
Ein absolutes Highlight des Austauschprogramms war selbst-verständlich der Ausflug nach Mailand. Als hätte das Wetter unsere Aufregung gespürt, schüttete es den ganzen Tag wie aus Kübeln. Das Ende des Sommers konnte uns jedoch nicht unsere Laune verderben:
Voller Begeisterung (jedenfalls einige von uns) erreichten wir die Stadt der Mode. In der Pinacoteca di Brera, einem Kunstmuseum mit zahlreichen antiken Gemälden aus Kirchen und Klöstern, ver-brachten wir einige Zeit, bis wir uns aufteilen durften, um mittags die Stadt eine Zeit lang selbstständig zu erkunden. Wichtig: Keinen Cappuccino nach 11 Uhr! (Ansonsten wird man von etwaigen italienischen Passanten seltsam angestarrt.) Weiter ging es mit dem „Bosco Verticale“ (auf Deutsch der vertikale Wald), so werden die begrünten Zwillingstürme im modernen Viertel Mailands „Porta Nuova“ genannt, die grob das Konzept verfolgen, den begrenzten Platz für Wohnraum effektiv zu nutzen und gleichzeitig die Biodiversität in Mailand zu verbessern. Eine Stadt von gleichzeitig so viel historischem Wert (wir alle kennen ja den Mailänder Dom, bzw. „Duomo di Milano“ mit seinen beeindruckenden gotischen Türmchen) und neuen, innovativen Ideen hinterließ viel Staunen und den ein oder anderen Umzugsplan bei uns.
So zögerlich die Woche begonnen hatte, so rasend schnell wurde es Donnerstag. Am Abend (wichtig zu erwähnen ist, dass „Abend“ in Italien 21 Uhr oder später bedeutet), trafen wir uns mitsamt Lehrern und Austauschpartnern zum Pizzaessen. Das Restaurant befand sich in der Città Alta, der Ober- und auch Altstadt von Bergamo, also auf einem Hügel, von wo aus man einen fantastischen Ausblick über die gesamte Stadt und die Region hatte.
Gut gesättigt ging es anschließend nach Hause, durch das schöne Tor Porta San Giacomo, von wo aus wir Bergamo als funkelndes Lichtermeer ein letztes Mal vor uns sahen. Eine tolle Atmosphäre begleitete uns bergab, wo unsere Gasteltern uns abholten. Oder wie die Jugend sagen würde: Das war voll der Vibe am Ende!
Marie Dreydorff, Q12
Nachdem wir im September mit großer Gastfreundschaft und Herzlichkeit in den italienischen Familien aufgenommen worden waren, hatten wir im Oktober die Chance, all das zurückzugeben, indem wir eine Woche voller aufregender, abenteuerlicher Aktivitäten in und um Traunstein für die Italiener vorbereiteten.
Um ihnen die deutsche Küche etwas näher zu bringen, starteten wir die Woche direkt nach ihrer Ankunft mit einem Besuch beim „Wochinger“, einem bayerischen Wirtshaus. Hier verbrachten wir beim Genuss reichlicher traditioneller Köstlichkeiten einen harmonischen Abend. Anschließend nahmen alle Deutschen ihre Austauschpartnerinnen und -partner mit zu sich nach Hause, um sie dort willkommen zu heißen.
Das Wochenende wurde nun auch hier in den Familien verbracht und von uns selbst geplant, wobei wir die meiste Zeit in teils kleinen, aber auch größeren Gruppen unterwegs waren. So trafen sich bereits Samstag Abend alle wieder, um gemeinsam mit einem Mix aus deutscher, italienischer und natürlich auch englischer Musik zu singen, zu tanzen und zu feiern. Auch sonntags versammelten wir uns alle nach individuellen Tagesaktivitäten, um abends zusammen Kürbisse zu schnitzen, wobei so manch ein Talent entdeckt wurde! Nicht nur für die Italienerinnen und Italiener war dies ein Wochenende voller Nervenkitzel und aufregender neuer Erfahrungen, auch wir Deutschen hatten eine tolle Zeit, in der wir die Möglichkeit hatten, mit unseren Austauschpartnern, aber auch mit unseren Mitschülern eine richtige Freundschaft aufzubauen.
Auch die Woche wurde mit allerlei schulischen als auch privaten Aktivitäten gefüllt. So bekamen die Gäste nicht nur eine Tour durch unser Schulhaus, sondern auch durch Traunstein und Salzburg. Der absolute Favorit war allerdings München. Während wir bei den anderen Stadttouren unserer Austauschpartnerinnen und -partner weiter am normalen Schulalltag teilnahmen, blieb uns dieser Ausflug nicht vorenthalten. Hierfür bereiteten wir kleine Präsentationen vor, um ein bisschen über die Sehenswürdigkeiten aufzuklären. Außerdem hatten wir die Möglichkeit, den Justizpalast zu besichtigen, in dem wir eine bewegende Führung durch die Ausstellung über die „Weiße Rose“, die hauptsächlich von Studenten getragene Widerstandsgruppe gegen die NS-Diktatur, erhielten.
Wenn sie nicht gerade unterwegs waren, erhielten unsere Gastschülerinnen und -schüler einen kleinen Einblick in unseren Unterricht. Bei dem Besuch unserer Klasse hatten wir Zeit, in Gruppen Präsentationen vorzubereiten, die wir den anderen am letzten Tag vorstellen durften.
Abgerundet wurde diese tolle Erfahrung durch einen „Bayerischen Abend“, bei dem wir in der Schulaula, begleitet von bayerischer Live-Musik, ein selbst mitgebrachtes Buffet genossen und danach in Volksfest-Spielen gegeneinander antraten. Fingerhakeln, Armdrücken und Maßkrugstemmen kamen bei allen Beteiligten sehr gut an und mussten etliche Male wiederholt werden. Zuletzt gab es noch eine Darbietung im Schuhplatteln und alle tanzten gemeinsam unter Anleitung und Gelächter einen bayerischen Volkstanz. Nach diesem lustigen, traumhaften Abschluss war der Abschied am nächsten Tag um so tränenreicher.
Im Großen und Ganzen lässt sich sagen, dass die Erfahrungen, die wir durch den Austausch gesammelt haben, sehr bereichernd und unbezahlbar waren.
Frieda De Luca, Q 12
Am 7. Januar 2025 durften wir am Chiemgau-Gymnasium drei Austauschschüler aus Bergamo (Italien) willkommen heißen. Die italienischen Schülerinnen und Schüler waren am 5. Januar angereist und für einen Monat bei drei Gastfamilien zuhause untergebracht und nahmen im Januar am Unterricht unserer Einführungsklasse in der 11. Jahrgangsstufe teil. Diese Klasse wurde bewusst gewählt, da sie kleiner war als die Klassen der eigentlichen Austauschpartnerinnen und Austauschpartner, was eine intensivere Betreuung und bessere Integration ermöglichte.
Während ihres Aufenthalts in Traunstein lernten unsere Gäste nicht nur den schulischen Alltag in Deutschland kennen, sondern konnten auch den winterlichen Chiemgau, die Region und das Leben in unseren Familien erleben. Der interkulturelle Austausch beschränkte sich jedoch nicht nur auf den Unterricht: Gemeinsame Aktivitäten, Ausflüge und Gespräche haben uns viele neue Perspektiven eröffnet, gegenseitiges Verständnis gefördert sowie unsere Freundschaften gestärkt.
Am 1. Februar traten wir gemeinsam – die drei italienischen Schülerinnen und Schüler sowie wir deutschen Austauschpartner – die Reise in Richtung Süden an. Mit dem Zug ging es nach Bergamo, wo wir den gesamten Februar über das Liceo Linguistico G. Falcone besuchten.
Die Zeit in Italien war für uns nicht nur sprachlich, sondern auch kulturell eine besondere Erfahrung. Im Unterricht erhielten wir spannende Einblicke in das italienische Schulsystem, das sich in vielerlei Hinsicht vom deutschen unterscheidet. Besonders interessant fanden wir die Fächer Philosophie und Kunstgeschichte, die in Italien fester Bestandteil des Lehrplans sind und uns neue Denkweisen und Perspektiven eröffneten.
Darüber hinaus nutzten wir die Zeit, um die Stadt Bergamo mit ihrer historischen Oberstadt “città alta”, welche von venezianischen Mauern umgeben ist und zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, näher zu erkunden. Wir konnten dort einige der kulinarischen Besonderheiten wie zum Beispiel das weltbekannte, dort erfundene Stracciatella-Eis probieren. Aber auch die offene Gastfreundschaft durften wir näher kennenlernen. Das Leben in unseren Gastfamilien war eine einmalige Erfahrung, die uns die italienische Kultur im Alltag näherbrachte. Zudem war unser Aufenthalt in Italien natürlich eine Bereicherung für unsere italienischen Sprachkenntnisse.
Am 1. März traten wir deutschen Schülerinnen und Schüler schließlich die Heimreise an – dieses Mal mit dem Auto. Hinter uns lagen zwei Monate voller neuer Eindrücke, spannender Begegnungen und wertvoller Erfahrungen, die uns persönlich wie auch schulisch bereichert haben. Zudem konnten einige von uns enge Freundschaften mit ihren Austauschpartnern schließen.
Der Austausch mit Bergamo war ein voller Erfolg und ein schönes Beispiel dafür, wie lebendig und lehrreich europäische Partnerschaften sein können. Wir hoffen sehr, dass dieses Programm auch in Zukunft fortgesetzt wird – für viele weitere Schülergenerationen.
Niklas Mayer, 11b (2024/25)